Burnout als Mutter: Ausgebrannt und leer mit zwei kleinen Kindern

Burnout als Mutter: Ausgebrannt und leer mit zwei kleinen Kindern

Von Christina Rinkl

In den vergangenen Monaten habe ich viele starke Frauen getroffen. Dazu gehört auch Tanja Bräutigam aus Hürth. Sie hat vor einiger Zeit ihr erstes Buch veröffentlicht: „5 Wochen Rabenmutter – Wie ich nach dem Burnout wieder Kraft für mich und meine Familie fand“. Darin beschreibt die zweifache (und inzwischen alleinerziehende) Mutter, wie sie sich nach einem emotionalen und physischen Zusammenbruch eine Auszeit in einer Klinik genommen hat. Allein, ohne ihre Kinder. Wie sich diese Kur auf ihren Alltag ausgewirkt hat, hat mir Tanja in einem persönlichen Gespräch erzählt.

Irgendwann ging es nicht mehr weiter

Depressionen? Burnout? Zusammenbruch? Wer Tanja Bräutigam kennenlernt, denkt nicht an diese Begriffe. Die 44-Jährige wirkt freundlich, offen und positiv. Die attraktive Mutter zweier Kinder (10 und 7 Jahre alt) war viele Jahre erfolgreich im Sportbusiness tätig. Nach der Geburt ihrer Kinder schied sie für einige Zeit aus dem Arbeitsleben aus und kämpfte gegen ein Burnout an. Über diese Zeit hat sie ein sehr offenes Buch geschrieben: „5 Wochen Rabenmutter“. Das Buch ist bei Eden-Books erschienen und handelt von ihrer Zeit in einer psychosomatischen Reha-Klinik im Schwarzwald. Heute geht es Tanja besser. Sie gibt ihr Wissen weiter und arbeitet erfolgreich als Sporttherapeutin in einer Suchtklinik. Vor einiger Zeit hat sie sich von ihrem Mann und Vater ihrer Kinder getrennt.

Panikattacken und Hilflosigkeit

Über die Veränderungen in ihrem Leben habe ich mit Tanja gesprochen. Auch beim Lesen ihres sehr persönlichen Buches wird klar: Tanja hat in den vergangenen Jahren viel erlebt und durchgemacht. Depressionen, Panikattacken und das Gefühl großer Hilflosigkeit. Die Ärzte rieten sofort zu Antidepressiva, doch die wollte Tanja nicht nehmen. Ihren Weg hat sie ohne Tabletten geschafft. Durch die Zeit in der Klinik hat sie gelernt, mehr auf ihre Bedürfnisse zu achten und Grenzen zu setzen. Sich selbst wieder wichtig zu nehmen.

Raus aus der Opferrolle

Das ist im Alltag nicht immer einfach, denn Tanja betreut ihren Sohn und ihre Tochter zu großen Teilen alleine, weil ihr Ex-Partner unter anderem beruflich sehr eingespannt ist. Das ist oft eine große Herausforderung. Aber sie bemüht sich heute, daran vor allem das Positive zu sehen: „Ich kann fast den gesamten Alltag meiner beiden Kinder miterleben. Was für ein Segen. Letztendlich ist eben doch alles eine Bewertungsfrage.“

Früher hat sich Tanja oft allein gelassen gefühlt, weil sie auch während ihrer Ehe viele Monate im Jahr alleine für ihre Kinder zuständig war. In der Kur hat sie gelernt, Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen, nach praktikablen Lösungen zu suchen und nicht in der Opferrolle zu verharren.

"Mich wird es nicht treffen." Leider doch.

Vor der Geburt ihrer Tochter waren sie und ihr Mann sich sicher: „Uns wird es nicht treffen. Bei uns bleibt alles beim Alten. Auch mit Kind.“ Und doch: mit zwei Kindern hat sich der Alltag des Paares komplett verändert. Vor allem, weil Tanja jahrelang nicht mehr durchschlafen konnte, da ihre Tochter jede Nacht nur wenige Stunden am Stück geschlafen hat.

Über ihre ersten Jahre als Mutter schreibt die Autorin: „Ich agiere rund um die Uhr als Mama und habe meine eigenen Bedürfnisse komplett aus den Augen verloren. Ich spüre mich nicht mehr. Bin gegenüber meinen Kindern und meinem Ehemann nur noch gereizt und kann mich selbst nicht mehr leiden.“ Irgendwann kam dann die Trennung.

Diagnose: Erschöpfungssyndrom

Vor und während ihrer Zeit in der Klinik hatte sie mit Angststörungen zu kämpfen. Die Diagnose: Erschöpfungssyndrom. In ihrem Buch geht Tanja auf Kernthema ein, das für uns Mütter so wichtig ist und uns doch oft so schwer fällt: Selbstliebe. Nicht nur die Bedürfnisse der anderen, sondern auch die eigenen wichtig zu nehmen und zu äußern. Nur dann kann es uns dauerhaft gut gehen.

Tanja ist Sportlerin, früher hat sie Handball in der zweiten Bundesliga gespielt. Als ihre Kinder kamen, hatte sie plötzlich kaum noch Zeit für Sport. Heute nimmt sie sich die Zeit. Unter anderem spielt sie Tennis in einem Verein, dort hat sie eine nette Mannschaft gefunden. „Ich versuche viele Dinge in meinen Alltag einzubauen, die mich stabil halten. Weil ich weiß, dass das Ganze sonst auch schnell wieder kippen kann.“

Auszeit in der Klinik als Rettung

In ihrem Buch gibt Tanja offen zu, wie schwer ihr es jahrelang gefallen ist, Hilfe anzunehmen oder überhaupt erst einzufordern. Viel zu lange wollte sie das Bild der perfekten Mutter und Ehefrau aufrecht erhalten, die alles alleine ohne Probleme wuppt und schafft. Auf diesen jahrelang überhöhten Anspruch folgte dann irgendwann der totale Zusammenbruch. „Sie sind nicht verrückt. Betrachten Sie ihre Depressionen und Angstzustände als Freunde, die Ihnen mitteilen wollen, dass Ihr Leben gerade in die falsche Richtung läuft“, sagte eine Heilprakterin zu Tanja. Depressionen als Freunde? Ein Denkansatz, den sie erst einmal sacken lassen musste.

Die Zeit in der Klinik war für Tanja überlebenswichtig, wie sie rückblickend sagt. Auch wenn damals viele in ihrem Umfeld nicht verstanden haben, warum sie sich nicht einfach für eine „Mutter-Kind-Kur“ entschieden hat. Auch wenn die fünf Wochen ohne ihre Tochter und ihren Sohn als Mutter für sie sehr hart waren, sagt sie heute: „Ich brauchte diese Zeit ohne meine Kinder, um wieder in meine Kraft zu kommen.“

Mit über 40 hat sie gelernt, dass es auch und vor allem als Mutter wichtig ist, gut auf sich aufzupassen. „Sonst geht man drauf.“ Die vier Worte „Ich bin mir wichtig“ gehören heute zu Tanjas festen Überzeugungen. „Ein Satz, den ich lernen musste wie ein Analphabet das Schreiben.“

Gerade nach einer Trennung und Scheidung ändert sich das Leben meist komplett – neue Wohnung, andere Freunde, neuer Alltag – auch für die Kinder. Dann passiert es oft, dass man sich selbst aus dem Blick verliert. „Doch wenn man selber instabil ist, schafft man es nicht, die Dinge zu lösen.“

Geholfen hat ihr nach der Trennung vor allem auch die richtige Perspektive: Das was jetzt ist, ist nicht für immer. Es ist eine Übergangsphase. Und die kann nach dem einschneidenden Erlebnis Trennung auch mal mehrere Jahre dauern.

Sie hat sich ein Netzwerk an Single-Freundinnen aufgebaut, was ihr im Alltag sehr hilft. Aus ihrer Erfahrung kehrt zwischen den Ex-Partnern meist erst dann Ruhe ein, wenn alles Organisatorische rund um die Kinder und die Finanzen geregelt ist. Vorher ist das Verhältnis oft noch zu sehr belastet, so ihr Eindruck.

„Es gibt wahrscheinlich kaum ein getrenntes Paar, das keine offenen Baustellen hat. Die Frage ist immer nur: Was akzeptiere ich – und wo will ich kämpfen?“

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Christina